Wien war um die Jahrhundertwende nicht nur die Hauptstadt
der österreichisch-ungarischen Monarchie, sondern auch ein Zentrum von
Wissenschaft und Kunst: Die Namen Theodor Billroth, Karl Landsteiner,
Sigmund Freud, Ludwig Boltzmann, Ernst Mach, Arthur Schnitzler, Robert Musil,
Karl Kraus, Gustav Klimt oder Otto Wagner sind untrennbar verbunden
mit bahnbrechenden Leistungen auf den Gebieten der Medizin und Psychologie,
der Physik, der Philosophie, der Literatur, der Bildenden Künste und
Architektur, um nur einige Disziplinen zu nennen. Die in den Jahren 1865 bzw. 1866 vom Augustinermönch Gregor Mendel in Brünn publizierten Vererbungsgesetze blieben für 35 Jahre fast unverstanden und wurden erst im Jahr 1900, als die Zeit dafür offenbar "reif" war, von dem Deutschen Carl Correns, dem Niederländer Hugo De Vries und dem Österreicher Erich von Tschermak-Seysenegg "wiederentdeckt". Während Correns und De Vries als Botaniker eher theoretische Ansätze mit ihrer Entdeckung verfolgten, erkannte der in Wien tätige Tschermak als ausgebildeter Landwirt den praktischen Wert dieser Gesetzmäßigkeiten, die er in der Pflanzenzüchtung zur Herstellung neuer Kulturpflanzensorten systematisch einsetzte. Er verhalf damit vor 100 Jahren der Pflanzenzüchtung als einer angewandt-genetischen Disziplin zu einem ersten großen Aufschwung und zu öffentlicher Beachtung. Erich Tschermak (1871-1962)
und seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der angewandten Genetik
sind heute - 100 Jahre nach der Wiederentdeckung der Mendelschen Vererbungsgesetze
- beinahe in Vergessenheit geraten. Ziel dieser Dokumentation ist es daher,
Eckpunkte im Lebenslauf Tschermaks nachzuzeichnen und ihn als Wissenschaftler
und Pflanzenzüchter vorzustellen. Vor allem aber die wissenschaftshistorisch
in den letzten Jahrzehnten immer wieder bezweifelte "unabhängige Wiederentdeckung"
der Mendelschen Gesetze durch Correns, De Vries und Tschermak
im Jahr 1900 und die noch immer existierenden "offenen Fragen" in diesem
Zusammenhang werden im Lichte aktueller Befunde betrachtet. |
Tschermak - Materialien
1. Ausstellung
Eine Ausstellung über Tschermak-Seysenegg fand im Festsaal der Universität
für Bodenkultur Wien, Gregor Mendel-Str. 33, zwischen 20. Juli und 15.
September 2000 statt.
2. CD-ROM (in Vorbereitung)
Eine CD-ROM, die neben allen in der Ausstellung gezeigten Exponaten und Materialien
auch eine größere Auswahl aus der wissenschaftlichen Korrespondenz
und umfangreiches Bildmaterial aus Tschermaks Nachlaß im Archiv der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie der Tschermak-Sammlung
der Universität für Bodenkultur Wien enthält, ist im Stadium
der Vorbereitung.
3. On-line paper
E. von Tschermak-Seysenegg and the Austrian contribution to plant breeding (P. Ruckenbauer, 2000)
- The Plant Breeding Hyperpage (Home)
Zuletzt bearbeitet am 2. Jänner 2003.ak-Seysenegg in Bildern, Geschichte der Pflanzenzüchtung, Tschermak und die Wiederentdeckung der Mendelgesetze im Überblickusklang Eine Reise nach Amerika (mit einigen technischen Details), Korrespondenz mit G.H. Shull, H. Nilsson-Ehle, W. Johannsen, C. Correns, W. Bateson und E. Haeckel, auf den Spuren Tschermaks in Österreich