Seminar im Rahmen der Vorlesung Ölpflanzen
– Züchtung, Anbau, Verwertung zum Thema:
Genetische Modifikationen der Sojabohne – Einführung
in die Thematik
zusammengestellt von Herbert Schausberger am 12. 01. 2000



















1. Allgemeines
über die Sojabohne:
Die Sojabohne (Glycine max (L.) Merrill) ist eine aus China
stammende und dort schon seit Jahrtausenden bekannte Kulturpflanze. Im
asiatischen Raum wird sie vor allem für die menschliche Ernährung
genutzt. Traditionelle asiatische Sojagerichte sind z.B. Tofu, Sojamilch
und Miso.
In Europa und den USA wird Soja erst seit rund 100 Jahren in größerem
Umfang angebaut. (Hymowitz, 1999). Die weltweite Anbaufläche ist derzeit
noch immer steigend. So wurde etwa von 1991 bis 1999 ein Zuwachs von 55
Mio. ha auf 72 Mio. ha registriert. Die USA sind mit 29 Mio. ha der größte
Sojaproduzent gefolgt von Brasilien mit 13 Mio. ha und China mit 8 Mio.
ha (FAOSTAT, 2000). Hauptsächlich wird die Sojabohne wegen ihres Öles
für Speisezwecke und industrielle Anwendungen genutzt. Etwa 30 % des
Weltbedarfes an Fetten und Ölen wird durch die Sojabohne abgedeckt.
Die Proteinfraktion stellt eigentlich ein "Nebenprodukt" dar und wird zu
95 % in der Futtermittelindustrie und nur zu 5 % für die menschliche
Ernährung genutzt.
Inhaltsstoffe der Sojabohne: 40 % Protein, 20 % Öl, 35 %
Kohlenhydrate, 5 % Mineralstoffe Diese Werte stellen natürlich Durchschnittsgehalte
dar und können je nach gegebenen Umweltbedingungen variieren. Der
Proteingehalt liegt demnach in einem Bereich von 30 bis 50 %, der Ölgehalt
schwankt von 12 bis 30 % (Liu, 1997).
Das Fettsäuremuster ist in Tabelle 1 dargestellt. Das Sojaöl
enthält einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren (FS)
und nur einen sehr geringen Prozentsatz an kurzkettigen FS. Die Linolsäure
ist mit durchschnittlich 51 % die vorherrschende FS.
Tab. 1: Fettsäureanteile in Sojaöl; Quelle:
Schuster, 1985
|
Fettsäure
|
Angaben in %
|
|
Variationsbreite
|
übliche Sorten
|
| gesättigte |
|
11 – 20
|
15
|
| kurzkettige |
< C 16:0
|
0,0 – 0,5
|
0,1
|
| Palmitinsäure |
C 16:0
|
7 – 11
|
11
|
| Stearinsäure |
C 18:0
|
2 – 6
|
4
|
| langkettige |
> C 18:0
|
0,3 – 3
|
0,1
|
| ungesättigte |
|
83 – 90
|
85
|
| kurzkettige |
< C 18:1
|
0,0 – 1
|
0,0
|
| Ölsäure |
C 18:1
|
15 – 33
|
25
|
| Linolsäure |
C 18:2
|
43 – 56
|
51
|
| Linolensäure |
C 18:3
|
5 – 11
|
9
|



















2. Genetische Modifikationen der Sojabohne:
Wichtige Gründe für den Einsatz der Gentechnologie in der Züchtung
im Allgemeinen und auch speziell für die Sojabohne sind (Liu, 1997):
+ direkte Genmanipulation: im Gegensatz zu Kreuzungs- und Mutationszüchtung
wird nur das gewünschte Gen
bearbeitet, dazu muß der entsprechende Genloci und das expremierte
Protein bekannt sein
+ Zeitgewinn: der Züchtungszeitraum kann um ca. 50 % verkürzt
werden
+ erreichen von Zuchtzielen, welche mit herkömmlichen Methoden
nicht möglich sind: z.B. bestimmte Inhaltsstoffe in
hoher Konzentration, Produktion artfremder Stoffe, Resistenzen
besonders wenn die natürliche Variation gering ist (alle Organismen
können als "Genspender" dienen)
Die ersten Transformationen an Sojabohnen wurden Anfang der 80er Jahre
durchgeführt. Wissenschaftler haben versucht die chemische Zusammensetzung
zu verändern und Werte für bestimmte Inhaltsstoffe zu erreichen,
welche durch konventionelle Züchtungsmethoden nicht möglich sind.
2.1. Modifikation des Fettsäuremusters:
Einer der ersten Schritte war die Veränderung des Fettsäuremusters.
Folgende Gründe werden für derartige Modifikationen angegeben
(Liu, 1997):
+ neue Erkenntnisse über Fett in der Ernährung: w-3-Fettsäuren,
trans-FS, Ölsäure und andere mehrfach ungesättigte FS
gelten als sehr gesund, Kreta-Diät
+ Verbesserung der oxidativen Stabilität: lange Haltbarkeit
und wenig Abbauprozesse in dieser Zeit sind erwünscht,
Reduktion der ungesättigten FS dazu erforderlich
+ Funktionelle Öle: Öl mit bestimmten physikalischen
Eigenschaften (Schmelzpunkt), Konfiguration, Kettenlänge
+ Produktion spezieller FS für industrielle Anwendungen:
Erzeugung von in der Natur nur selten vorkommenden FS
® Reduktion des technischen Aufwandes und somit auch der Kosten
Um die Produktion bestimmter Fettsäuren in der Pflanze zu erhöhen
oder zu verhindern ist es von großer Bedeutung, die Wege der Öl-Biosynthese
zu kennen. Dabei handelt es sich um einen sehr komplizierten Prozeß,
an dem viele Gene und daraus resultierende Enzyme beteiligt sind. Viele
dieser Gene und ebenso deren Produkte mit ihrer jeweiligen Funktion sind
heute bekannt. Einige davon können geklont und in andere Organismen
übertragen werden (Töpfer et al., 1995).
2.1.1. Sojabohnen mit niedrigem Gehalt an Linolensäure:
Die Linolensäure ist eine mehrfach ungesättigte FS mit 18 C-Atomen
und 3 Doppelbindungen (C 18:3) und aus diesem Grund nur bedingt haltbar.
Daher wird für Öl, welches über einen längeren Zeitraum
lagerbar ist und dabei seinen Geschmack nicht verändern soll, ein
geringer Anteil an Linolensäure gefordert.
Der fan-Locus in Kopplungsgruppe 17 codiert für die Enzyme w-3
und w-6 Desaturase, welche für die Bildung
der Doppelbindungen nötig sind. Fehlt die w-3
Desaturase wird C 18:2 (Linolsäure) nicht mehr in C 18:3 umgewandelt.
Bei fehlender w-6 Desaturase wird analog aus
C 18:1 (Ölsäure) nicht C 18:2 gebildet.
Genotypen mit rezessivem Allel für w-3
bzw. w-6 Desaturase wurden gefunden (durch Methoden
der Mutationszüchtung und nicht der Gentechnologie entwickelt, hier
aber wegen der Bedeutung für die Qualitätszüchtung angeführt).
In daraus gezüchteten Sojabohnenlinien konnte ein um bis zu 50 % reduzierter
Linolensäuregehalt festgestellt werden. Der Anteil an dieser Fettsäure
sank somit von den üblichen 8 % der konventionellen Sorten auf rund
4 %. Das aus diesen Sojabohnen gewonnene Öl ist geschmacklich besser
und unterliegt weniger Abbauprozessen.
2.1.2. Sojabohnen mit hohem Gehalt an Ölsäure:
Die Ölsäure ist einfach ungesättigt (C 18:1) hat aber trotzdem
eine gute oxidative Stabilität. Weiters ist sie in der Lage den LDL-Cholesteringehalt
im Blut zu senken und genießt daher ein ernährungsphysiologisch
hohes Ansehen.
Ein Antisensemechanismus wurde entwickelt, welcher die Expremierung
der w-3 und w-6 Desaturase
unterdrückt. Aus C 18:1 kann daher nicht mehr bzw. nur in geringen
Mengen C 18:2 und C 18:3 synthetisiert werden, woraus eine Steigerung des
Ölsäuregehaltes auf bis zu 85 % (konventionelle Sorten haben
ca. 23 %) resultiert.
Das entsprechende Öl ist sehr stabil gegenüber oxidativen
Abbaureaktionen und Hitze. Es ist somit gut zum Kochen und Fritieren geeignet.
Die auf diese Weise modifizierten Sojabohnen sind seit 1997 für
den Anbau zugelassen und werden gegenwärtig auf einer Fläche
von etwa 30.000 ha in den USA angebaut.
Das sind nur zwei Beispiele für die Veränderung des Fettsäuremusters
mit Hilfe von biotechnologischen Methoden. Zusätzlich arbeitet man
auch an Sojabohnen mit einem hohem Anteil an ungesättigten FS, welche
besonders bei der Herstellung von Margarine gewisse Vorteile bringen (weniger
unerwünschte trans-FS, da dieses Öl nicht hydrogeniert werden
muß).
2.2. Verbesserung der Proteinqualität:
Die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin sind im Sojaprotein
nur in geringer Konzentration vorhanden und gelten somit als limitierend
für die Qualität des Eiweißes. Mit traditionellen Züchtungsstrategien
ist es aber kaum möglich den Methioningehalt zu erhöhen. Aus
diesem Grund wurde nach einer biotechnologischen Methode gesucht, um den
Anteil dieser essentiellen AS zu steigern. Eine Strategie ist dabei die
Übertragung der cDNA für methioninreiche Proteine (MRP) aus Mais,
Reis, Paranuß oder Sonnenblume in die Sojabohne.
2.2.1. Sojabohnen mit hohem Gehalt an Methionin:
Die cDNA für MRP der Paranuß (enthält ca. 18 % Methionin
und 8 % Cystin) wurde mittels Agrobakterium in die Sojapflanzen übertragen.
Die auf diese Weise transformierten Pflanzen weisen einen Methioningehalt
von bis zu 8 % des Gesamtproteingehaltes (im Vergleich zu 1,6 % bei üblichen
Sorten) auf. Allerdings wurde gleichzeitig auch ein Allergiefaktor gegen
das Paranußprotein übertragen, aus diesem Grund erfolgte daher
auch keine Kommerzialisierung. Neuere Arbeiten werden mit den MRP von Mais
und Sonnenblume durchgeführt.
Neben der Erhöhung des Methioningehaltes wurde es auch versucht
den Lysingehalt zu steigern. Dabei konnte eine Erhöhung um das Fünffache
des Normalgehaltes erzielt werden. Parallel zu den hier beschriebenen Strategien
zur Verbesserung der Proteinqualität gibt es noch eine Reihe weiterer
Versuche und auch in Zukunft wird man sich mit diesem Thema auseinandersetzen,
v. a. auch um den Gehalt an verdauungshemmenden Inhaltsstoffen zu reduzieren
(Liu, 1997).
2.3. Herbizidtoleranz:
Die bekannteste genetische Modifikation der Sojabohne ist sicherlich die
Toleranz gegenüber dem Totalherbizid Glyphosate (Roundup). Die von
der Firma Monsanto unter dem Handelsnamen RoundupReadySoybeansâ
vermarkteten transgenen Pflanzen werden gegenwärtig auf einer Fläche
von ca. 20 Mio. ha haupsächlich in den USA und in Argentinien angebaut.
In der EU ist der Anbau nicht erlaubt, wohl aber der Import.
Wirkungsmechanismus: das Herbizid Glyphosate inhibiert das Enzym
5-Enolpyruvylshikimat-3-Phosphatsynthase (EPSPS). EPSPS ist ein wichtiges
Enzym für die Produktion von aromatischen Aminosäuren wie z.B.
Tryptophan und Phenylalanin und kommt in allen Pflanzen, Pilzen und Bakterien
vor. Wird Glyphosate appliziert sterben die Pflanzen innerhalb weniger
Tage ab, da die EPSPS blockiert und somit die Synthese der lebensnotwendigen
Aminosäuren unterbunden wird.
Eine Form der EPSPS welche hoch tolerant (allerdings nicht resistent)
gegenüber Glyphosate ist, wurde bei einem umfangreichen Screening
im Agrobakterium sp. CP 4, einem natürlich vorkommendem Bodenbakterium,
gefunden.
Das Gen für die sogenannte CP 4 EPSPS wurde mittels Genkanone
in die Sojabohne transferiert. Die auf einem speziellem Nährmedium
(kanamycinhältig) regenerierten transgenen Pflanzen zeigten eine Toleranz
auch gegenüber hohen Mengen an Glyphosate. (Padgette et al., 1995).



















3. Zusammenfassung und Ausblick:
Die wichtigsten, aber bei weitem nicht alle, genetischen Modifikationen
der Sojabohne wurden hier beschrieben. Von Bedeutung sind sicherlich die
Transformationen, welche zur Veränderung des Fettsäuremusters
führen, wie dies z.B. bei Sojaöl mit hohem Ölsäureanteil
der Fall ist. Weiters stellen Sojabohnen mit hohem Methioningehalt eine
deutliche Verbesserung der Proteinqualität dar. Die wirtschaftlich
bedeutendste genetische Modifikation stellt aber die Herbizidtoleranz dar.
Auch in Zukunft wird die Gentechnik neue Verfahren für die Pflanzenzüchtung
liefern, über deren Sinn oder auch Unsinn sicherlich diskutiert werden
muß. Weiters sollte auch die Bevölkerung über die zahlreichen
Chancen aber auch möglichen Risiken so gut wie nur möglich informiert
werden.



















4. Literatur:
FAOSTAT,2000,Database
Results, http://apps.fao.org/, Stand: 12.01.2000
Hymowitz,
T., 1999, Soybeans: The Success Story, http://www.nsrl.uiuc.edu/beanhistory/soysuccess1.htm,
Stand: 12.01.2000
Liu, K. S., 1997, Soybeans: Chemistry, Technology and Utilization
– New York: Chapman & Hall
Padgette,
S. R., et al., 1995, Development, identification and characterization of
a glyphosate-tolerant soybean line,
Crop Science 35: 1451 – 1461
Schuster,
W., 1985, Sojabohne, in: Fischbeck, G., W. Plarre, W. Schuster,
Lehrbuch der Züchtung
landwirtschaftlicher Kulturpflanzen, Band 2 – Hamburg: Paul Parey
Töpfer,
R., N. Martini, J. Schell, 1995, Modifikation of Plant Lipid Synthesis,
Science 268: 681 – 685



















