Vorfruchtwert und Produktionstechnik von Winterraps in Österreich - eine empirische Untersuchung

Johann Vollmann

Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Universität für Bodenkultur Wien, Gregor Mendel Str. 33, A-1180 Wien, Österreich  (e-mail: hans.vollmann@iname.com)

Seminararbeit im Rahmen der Vorlesung Ölpflanzen - Züchtung, Anbau, Verwertung im Wintersemester 2000/2001
Wien, 10. Jänner 2001


 
Genaue Informationen über den Vorfruchtwert von Raps und über die Auswirkungen produktionstechnischer Maßnahmen auf den Rapsertrag lagen bislang für die Anbaubedingungen des ostösterreichischen Trockengebietes kaum vor. Daten aus Ackerschlagkarteien, die dem einzelnen Landwirt zur schlagbezogenen Verwaltung produktionstechnischer Daten, für Dünge- und Fruchtfolgeplanung sowie zur einzelbetrieblichen Deckungsbeitragsrechnung dienen, wurden daher zu einem großen Datensatz zusammengefügt und analysiert, wodurch für alle Landwirte interessante Erkenntnisse über den Rapsanbau gewonnen werden konnten.
 
 
 

 

Einleitung

Mit einem Ackerschlagkarteiprogramm kann man die typischen Bestandsdaten jedes einzelnen Schlages verwalten, z.B. die genaue Schlaggröße, Bodenklimazahl, die gesamte Fruchtfolge mit allen Inputdaten und Erträgen, jährliche Bodenuntersuchungsergebnisse, ausgebrachte Wirtschaftsdüngermengen usw. Für eine bestimmte Kultur kann aufgrund der jeweils aktuellen Parameter unter Einbeziehung der Ertragserwartung der tatsächliche Nährstoffbedarf und damit die benötigte Menge einzelner Dünger exakt errechnet werden. Nach der Ernte wird aufgrund aller angefallenen Kosten (Saatgut, Düngemittel, Pflanzenschutzaufwendungen, Maschineneinsatz), der erzielten Preise und lukrierten Förderungen eine genaue Wirtschaftlichkeitsrechnung durchgeführt. Darüber hinaus etwa ermöglicht ein Schlagkarteiprogramm die Führung gesetzlich vorgeschriebener Aufzeichnungen oder die Verwaltung von Lagerbeständen an Betriebsmitteln.
   Landwirte aus Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland, die das Schlagkarteiprogramm “LBG-Bodenwächter” der Fa. LBG Computerdienst GesmbH, Korneuburg, einsetzen, haben nun im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Ölmühle Bruck und der Universität für Bodenkultur Wien ihre wertvollen pflanzenbaulichen Daten für eine überbetriebliche Auswertung zu Fragen des Rapsanbaus zur Verfügung gestellt. Brauchbare produktionstechnische Daten über Raps sowie über dessen Vorfruchtwert sind nämlich für österreichische Verhältnisse Mangelware, da es - abgesehen von sehr aussagekräftigen Sortenwertprüfungen und einzelnen Pflanzenschutzexperimenten auf Kleinparzellen – kaum pflanzenbauliche Versuchsergebnisse gibt, die eine Verallgemeinerung zulassen. Aus den anonymisiert an der BOKU ausgewerteten Schlagkarteidaten von Landwirten konnten interessante praxisrelevante Erkenntnisse gewonnen werden, die für den ostösterreichischen Rapsanbau nützlich sind.
 

Der Vorfruchtwert von Raps

Über den Wert von Raps als Vorfrucht für Getreide hat es bisher keine genauen Informationen für das ostösterreichische Trockengebiet gegeben. Eine Auswertung der Ertragsdaten von 781 Feldschlägen, die eine Gesamtfläche von 2174 ha repräsentieren und aus den vier Erntejahren 1995 bis 1998 stammen, ergab, daß es zu deutlich höheren Erträgen bei Getreide kam, wenn Raps die Vorfrucht war. Die Mehrerträge durch den Vorfruchteffekt des Rapses betrugen beachtliche 615 kg/ha bei Winterweizen und 430 kg/ha bei Wintergerste (Abbildung 1). Obwohl nach Raps in erster Linie der Anbau einer Winterung empfehlenswert ist, nützen neuerdings viele Landwirte den Ausfallraps als Winterzwischenfrucht und bauen danach Sommergerste, bei der ein durchschnittlicher Mehrertrag von 242 kg/ha nach Raps im Vergleich zu einer Getreidevorfrucht festgestellt wurde (Abbildung 1). Die hohe Nährstoffverfügbarkeit nach Raps könnte jedoch bei Braugerste den Eiweißgehalt zu stark erhöhen und damit die Qualität beeinträchtigen, weshalb in diesem Fall eher zum Anbau von Durumweizen geraten wird. Grundsätzlich jedoch bestätigen die Ergebnisse, daß nach Raps möglichst Wintergetreide gebaut werden sollte, um den Vorfruchteffekt voll nützen zu können.


Abbildung 1:
Einfluß der Vorfrucht auf den Ertrag von Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste







Wie am Beispiel des Winterweizens ersichtlich, ist der Vorfruchteinfluß des Rapses besonders bei niedriger Bodenbonität sehr hoch (Abbildung 2): Er beträgt auf einem Standort der Bodenbonität 20 mehr als 1200 kg/ha im Vergleich zu einer Getreidevorfrucht, wogegen erst ab 75-80 Bodenpunkten die Vorfrucht praktisch keinen Einfluß mehr auf den Weizenertrag hat. Raps kann also die Bedingungen für eine Getreidenachfrucht wesentlich verbessern, was vor allem auf Standorten geringer bis mittlerer Bonität besonders deutlich wird.


Abbildung 2:
Winterweizenerträge in Abhängigkeit von der Vorfrucht unter Berücksichtigung der Bodenbonität







   Im übrigen zeigt eine Reihe von Untersuchungen, daß der positive Vorfruchteffekt von Raps auf Getreide nur zum Teil auf einer erhöhten Nährstoffverfügbarkeit durch N-reiche Ernterückstände und Wurzeln beruht, sondern wesentlich auf eine Verbesserung von Bodeneigenschaften wie z.B. der Aggregatstabilität zurückzuführen ist. Als typischer Fruchtfolgeeffekt ist auch die Verringerung des Krankheitsdrucks mit getreidespezifischen Fußkrankheiten, etwa der Schwarzbeinigkeit, zu werten, wo es durch einmaligen Rapsanbau zu einer wirksamen Durchbrechung der Infektionskette kommt.
 

Produktionstechnische Maßnahmen und Rapsertrag

Für die Quantifizierung produktionstechnischer Maßnahmen hinsichtlich ihrer Ertragsrelevanz dienten 202 Rapsschläge als Datenbasis, die einer Fläche von 587 ha entsprachen und aus den Erntejahren 1995 bis 1998 stammten. Obwohl hier insgesamt weniger Daten vorlagen als für die Erfassung von Vorfruchteinflüssen, lassen sich bereits einige interessante Erkenntnisse für den Rapsanbau anleiten.
   Die Aussaatstärke von Winterraps liegt zwischen 1.0 und 6.5 kg/ha (Mittelwert 4.1 kg/ha). Da Raps durch die Ausbildung von Seitentrieben sehr gut auf unterschiedliche Standraumbedingungen reagieren kann, wurde durch höhere Saatstärken kein positiver Einfluß auf den Kornertrag festgestellt. Daraus kann man für die Praxis ableiten: Die Saatstärke kann in vielen Fällen deutlich verringert werden, z.B. auf 2-3 kg/ha, wenn pflanzenbauliche Voraussetzungen wie ein feines Saatbett oder der richtige Aussaatzeitpunkt gegeben sind. Eine frühe Aussaat, etwa um den 20. August, erscheint wesentlich wichtiger für den Ertrag: Wie Abbildung 3 zeigt, verringert sich der Rapsertrag um durchschnittlich 800 kg/ha, wenn sich der Aussaattermin von 20. August auf 14. September verspätet. Eine zu späte Aussaat führt zu kleineren Pflanzen im Herbst, die durch den Winter allzu sehr geschwächt werden, so daß sie im Frühjahr nicht mehr das volle Ertragspotential ausschöpfen können. Dies bewahrheitete sich beispielsweise auch im aktuellen Trockenjahr 2000, in dem Rapsbestände mit guter Jugendentwicklung durch ausreichend starke Wurzelausbildung noch akzeptable Erträge erbringen konnten.


Abbildung 3:
Einfluß des Aussaatdatums auf den Rapsertrag









   Wegen des vergleichsweise hohen Nährstoffbedarfs von Körnerraps ist v.a. die Stickstoffdüngung nicht nur in der Produktionstechnik, sondern auch aus der Sicht der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes bedeutend. Die Herbstdüngung (etwa 30 kg N / ha), aber vor allem die erste Stickstoffgabe im Frühjahr (90 kg N / ha im Durchschnitt) beeinflussen den Rapsertrag deutlich positiv. Ähnlich wie bei der Aussaat kommt es auch bei der ersten Stickstoffgabe im Frühjahr, die kurz vor Vegetationsbeginn erfolgen soll, sehr auf den richtigen Zeitpunkt an: Wie Abbildung 4 zeigt, liegt der optimale Zeitraum für die erste Frühjahrs-N-Gabe etwa zwischen 24. Feber und 1. März (= Tag 55 bis Tag 60). Eine zu frühe N-Düngung erhöht die Gefahr von Stickstoffverlusten durch Auswaschung, eine zu späte Düngung führt zu verzögerter und damit schwächerer Entwicklung zu Vegetationsbeginn, wodurch das Ertragspotential ebenfalls nicht vollständig genutzt werden kann.


Abbildung 4:
Rapsertrag in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der ersten Stickstoffgabe im Frühjahr
(Optimum: Tag 55 bis Tag 60 entspricht 24. Feber bis 1. März)







   Wie die Auswertung der Schlagkarteidaten also zeigt, sind Aussaat- und Düngezeitpunkt bei Raps Beispiele für ertragsrelevante Maßnahmen, welche freilich von der einzelbetrieblichen Situation, der aktuellen Witterung u.a. Gegebenheiten abhängen, aber offenbar dennoch optimiert werden können.
 
 

Resümee: Vorteil empirischer Untersuchungen für den Landwirt

Im Vergleich zu geplant angelegten Feldversuchen finden "empirische Untersuchungen" unter Praxisbedingungen statt und spiegeln so gewissermaßen die Erfahrungen von Landwirten wider. Während Feldversuche aus Kapazitätsgründen nur auf bestimmten Standorten mit bestimmten Sorten und Behandlungen durchgeführt werden können, gelten Ergebnisse einer ausreichend großen Zahl von Schlagkarteidaten für eine ganze Anbauregion und für das gesamte Spektrum an praktischen Produktionsparametern. Die Schlagkarteidaten einzelner Landwirte, welche dankenswerterweise genaue Aufzeichnungen führen und diese auch für eine Auswertung bereitstellen, kommen somit der ganzen Region zugute. Und diese Daten zeigen nicht nur klar, daß Raps einen hohen Vorfruchtwert für Getreide hat ( + 615 kg/ha bei Winterweizen), sondern auch, daß frühe Aussaat und optimaler Düngungszeitpunkt den Rapsertrag deutlich verbessern können.
 

Weiterführende Literatur

a. Vorfruchteffekt von Raps
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