Maud Perroy
Seminar im Rahmen der Vorlesung Ölpflanzen – Züchtung, Anbau, Verwertung im Wintersemester 2001/2002, Wien, 3. Dezember 2001
I. Die wichtigste Komponenten der Ertragsbildung der Sonnenblume :
A. Ansprüche:
1. Die Umweltbedingungen :
Temperaturen : Sie haben einen
Einfluss auf die verschiedenen Entwicklungsphasen der Sonnenblume.
Die Keimung braucht eine Mindestbodentemperatur zwischen 6 und 8°C
in 5 cm Tiefe. Die Jungpflanze ist stark frostempfindlich (Spätfrostverträglichkeit
von -5°C). Warme Böden und Klimabedingungen (über 20°C)
sind besonders günstig, um eine rasche Jugendentwiclung der Pflanzen
zu erreichen: Streckung der Hauptsproßachse, Anlage der Blätter
(Mitte Juni), Blütenbildung. Das Temperaturoptimum der Photosynthese
beträgt 25°C.
Schließlich sind hohe Temperaturen
günstig für das Wachstum und die Differenzierung der Achäne,
mit einer positiven Beziehung zur Ertragshöhe. Es gibt auch eine Korrelation
zwischen Temperatur und Fettsäuremuster (negative Korrelation der
Temperatur zum Linolsäuregehalt).
Licht : Während der Hauptwachstumsphase ist die Sonnenblumenpflanze empfindlich gegen Beschattung, die Leistung der Einzelpflanze geht sehr stark zurück mit einer Minderung des Lichteinfalls.
Wasser : Der Wasserverbrauch der Sonnenblume ist nicht gering, aber sie hat eine gute Resistenz gegen Trockenheit, dank zweier Ursachen :
2. Die Nährstoffversorgung :
Stickstoff : Die Sonnenblume
absorbiert den Stickstoff am meisten zwischen dem 5-Blattstadium und der
Blüte. Sie kann aus großer Bodentiefe mineralischen Stickstoff
zu sich nehmen. Der Gesamtverbrauch des Anbaus beträgt circa 150 kg
für einen Ertrag von 30q/ha. Zu viel Stickstoff fördert die vegetative
Entwicklung, die Entwicklung der Pilze und das Lager. Eine Reifehemmung
und eine Senkung des Ölgehalts werden auch beobachtet.
Bor : Es ist sehr wichtig
für die Sonnenblume, die mehr als 400 g/ha, davon 80% zwischen dem
5-Blattstadium und der Blüte benötigt. Ein Mangel hat Blattnekrosen,
dann Stengelbrüche und Ertragsminderungen zur Folge.
Phosphorsäure (P2O5)
und Kali (K2O)
: Sie sind gering notwendig und werden leicht aus dem Boden genommen.
Magnesium (MgO) : Der Mangel
bewirkt, dass das 1000-Korn-Gewicht reduziert wird. Um dies zu vermeiden,
werden 90 kg/ha MgO gebraucht.
B. Wesentliche Schädlinge und Krankheiten :
1. Tiere :
Nacktschnecken : Sie fressen
die Keimlinge und die Jungenpflanzen, die welken und absterben. Sie sind
aktiver unter feuchten Bedingungen.
Blattläuse : Die Schäden
sind nur hoch, wenn die Insekten vor dem Auftreten der Knospe kommen :
sie können Ertragsverluste von 4q/ha verursachen. Nach diesem Stadium
ist die Gefahr geringer, jedoch provozieren sie Blattkräuseln, die
den Befall mit Pilzen wie Sclerotinia fördern.
Andere Schädlinge :
Bodenlarven, wie Drahtwürmer oder Raupen des Sonnenblumenzünsler,
Wild, Mäuse und Vögel haben manchmal einige Schäden zur
Folge, aber sie sind unbedeutet.
2. Pilze :
Plasmopara helianthi (Falscher
Mehltau der Sonnenblume) : Er gehört dem Stamm der Oomycota an, dass
heißt, er überdauert als Oosporen in abgefallenen Blättern.
Er ist obligat biotroph und ist die Ursache für große Schäden
im Sonnenblumenanbau in Frankreich : zwergige Pflanzen mit Ölflecken
auf den Blättern, die keinen oder niedrigen Ertrag geben. Der Mehltau
wird von feuchten Bedingungen gefördert.
Phomopsis helianthi : Es
ist ein Deuteromycotina, sogenannt "Fungi imperfecti". Braune Flecken treten
zuerst auf den Blättern, dann auf dem Stengel, der aufbricht, und
auf der Blüte auf : es hat eine große Ertragssenkung und einen
Ölertragsminderung um bis zu 30% zur Folge. Der erste Befall ensteht
im Mai, wenn die Temperaturen 10°C überschreiten. Eine feuchte
Witterung fördert die Entwicklung des Pilzes.
Sclerotinia sclerotiorum
: Es gehört dem Stamm der Ascomycota an. Ein weißer Rasen entwickelt
sich auf dem Stengel, den jungen Blättern oder hinter den Blüten.
Die Jungpflanzen welken und gehen ein. Der Befall älterer Pflanzen
führt zu Kümmerpflanzen, die keinen vollen Ertrag bringen und
vorzeitig braun werden. Der Pilz bildet Sklerotien, die mehrere Jahre im
Boden überdauern können, so lange, bis günstige Bedingungen
im Frühjahr wieder eine Entwicklung erlauben.
Botrytis cinerea : Es ist
auch ein Ascomycotina. Graue Sporen wachsen auf den Blüten, besonders
bei hoher Luftfeuchtigkeit und ca. 15°C (kann sich von 5 bis 25°C
entwickeln).
Andere Pilze, wie Verticillium
dahliae, Macrophomina phaseoli, Phoma oleraceae oder
Alternaria
helianthi können geringe Schäden verursachen.
II. Die Kultursteuerung, um einen hohen Ertrag zu bekommen :
A. Anbau :
1. Bodenvorbereitung :
Eine tiefe Bodenbearbeitung sichert
eine gute Verwurzelung der Pflanze und damit eine wirksame Fähigkeit,
um Wasser aus größerer Bodentiefe und Nährstoffe aufzunehmen.
Das Pflügen ist besonders günstig, weil es nicht nur die Hindernisse
für die Wurzeln zerstört, sondern auch die Ernterückstände
des vorhergehenden Anbaus vergräbt. Dies darf nicht unter nassen Bedingungen
gemacht werden, um Bodenverdichtungen zu meiden.
Wenn es notwendig ist, kann ein
allgemeines Herbizid ein Monat vor der Aussaat angelegt werden, weil nach
dieser kein Produkt gegen Dikotyledone benützt werden darf. Im Falle
eines Mangels kann ca. 1,2 kg/ha Bor mit dem Herbizid gemischt ausgebracht
werden.
2. Sortenwahl :
Die Sorte wird nach 3 Parametern gewählt :
3. Aussaat :
Um eine frühzeitige Ernte, die
einen Ertrag sichert, zu erreichen, muss die Aussaat am frühsten erfolgen,
dass heißt so bald der Boden genug getrocknet und wärmer als
8°C ist. So ist der Feldaufgang schnell. Nach der Region stuft sich
die Aussaat von Ende März bis Ende April ab.
Die Arbeitsgeschwindigkeit darf
5 km/h nicht überschreiten, um eine gleichmäßige Aussaat
zu bekommen. Eine optimale Saatmenge zwischen 50 und 60.000 Pflanzen/ha
(mit einem Maximum von 75.000 Korn) und ein Reihenabstand von 50 bis 60
cm sollen eingehalten werden, um Sclerotinia zu begrenzen und genug Lichteinfall
zuzulassen.
Vor dem Aufgang wird die Nacktschneckenzahl
beobachtet. Wenn sie zu stark auftreten, wird ein Molluskizid appliziert.
Für die anderen Schädlinge soll das Risiko evaluiert werden,
um zu entscheiden, ob es notwendig ist zu reagieren.
Schließlich wird der Bodenstickstoff
durch eine Stickstoff-Düngung ergänzt, je nach dem Bodenrest
und der Tiefgründigkeit des Bodens, wie in folgender Tabelle gezeigt:
| Bodenrest | kleine Bodentiefe | große Bodentiefe |
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| mittel (60 kg/ha) | < 40 kg/ha | 40 bis 80 kg/ha |
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Wenn wenig Niederschläge während
des Winters gefallen sind, müssen diese Zahlen gesenkt werden.
B. Entwicklung und Ertragsbildung :
1. Bewässerung :
Die Sonnenblume wird wenig bewässert im Vergleich zu anderen Kulturen, aber Bewässerung nach dem Blühen wirkt stark. Der Bewässerungsanfang hängt von der Vegetativentwicklung ab, und die Wasserquantität von der Wasserreserve des Bodens :
(CETIOM, Tournesol,
les techniques culturales, le contexte économique, CETIOM, 2001.)
Die Rentabilität der Bewässerung ist klein, wenn es eine gute Vegetativentwicklung gibt (Reihenzwischenräume unsichtbar), besonders wenn die Wasserreserve zwischen 60 und 100 mm liegt.
2. Krankenheiten und Düngung :
Man kann Phomopsis mit dem Einsatz
von Fungiziden, wenn die Sonnenblumen 55-60 cm hoch sind, bekämpfen,
besonders wenn eine Bewässerung gemacht wird und die Witterung günstig
für den Befall des Pilzes ist.
Die Gehalte der Mineralelemente
der Pflanzen können am Anfang der Blüte analysiert werden, um
zu wissen, ob etwas fehlt. Dann wird es ergänzt.
C. Ernte und Lagerung :
Die Ernte wird durchgeführt,
wenn die Rückseite der Blütenkörbe braun-gelb verfärbt
ist, grüne Blätter am Stengel nur mehr oben vorhanden sind und
der Stengel hell-beige ist. Dann beträgt der Feuchtigkeitsgehalt des
Samens zwischen 9 und 11%. Der Zeitpunkt ist Ende August oder Anfang September
im Süden, Mitte September im Norden und Osten erreicht. So werden
die Schäden von Vögeln, Sclerotinia und Botrytis, das Lager und
der Kornausfall sowie die Samenfäule aufgrund der Herbstregen vermieden.
Das Erntegut wird vor die Lagerung
gereinigt. Die Lagerbedingungen werden von einer Kombination zwischen Lagerungsdauer,
Feuchtigkeit und Temperatur fixiert. Optimal ist, wenn die Feuchtigkeit
weniger als 8% beträgt. Andernfalls ist ein Belüftungssystem
mit mehr oder weniger warmer Luft notwendig.
Zum Schluss : Ein guter Ertrag
wird besonders durch den Anbau festgelegt. Die Sonnenblume verbraucht wenig
Düngung, Bewässerung und Pflanzenschutzmittel, und nimmt gut
die Bodennährstoffe auf. Mehr noch, sie ist in der Fruchtfolge sehr
interessant vor einem Getreideanbau, weil sie die Kranheiten und Parasitenkreise
des Getreides bricht. Die Sonnenblume ermöglicht auch eine gute Unkrautbekämpfung,
sodass die Erträge des Getreides oft höher sind. So ist die Sonnenblume,
die maximal alle drei Jahre in einer Fruchtfolge angebaut werden sollte,
eine sehr interessante Kultur, um so mehr, als die Arbeitszeiten nicht
mit der Getreidebearbeitung zusammenfallen.
Literatur :