DER ANBAU DER SONNENBLUMEN IN FRANKREICH

Maud Perroy
 

Seminar im Rahmen der Vorlesung Ölpflanzen – Züchtung, Anbau, Verwertung im Wintersemester 2001/2002, Wien, 3. Dezember 2001

 
In den EU-Ländern wurden 2.025.000 ha Ackerland Sonnenblumen im Jahr 2000 angebaut, davon 744000 in Frankreich und 22000 in Österreich. Die Anbaufläche ist wegen der neuen Ölpflanzenproduktionspolitik der Europäischen Union zurückgegangen. Dennoch hat sich die gesamte Ernte vermehrt auf 3.361.000 Tonnen Sonnenblumen im Jahr 2000, dank einer Ertragssteigerung der Hauptproduktionsländer : +9% in Frankreich (1906000 t), und +77% in Spanien (797000 t) zum Beispiel. Bessere produktionstechnische Maßnahmen verursachten dieses Ergebnis. Sie stützen sich auf das Wissen über die Komponenten der Ertragsbildung der Sonnenblume.
 

I. Die wichtigste Komponenten der Ertragsbildung der Sonnenblume :

A. Ansprüche:

1. Die Umweltbedingungen :

Temperaturen : Sie haben einen Einfluss auf die verschiedenen Entwicklungsphasen der Sonnenblume.  Die Keimung braucht eine Mindestbodentemperatur zwischen 6 und 8°C in 5 cm Tiefe. Die Jungpflanze ist stark frostempfindlich (Spätfrostverträglichkeit von -5°C). Warme Böden und Klimabedingungen (über 20°C) sind besonders günstig, um eine rasche Jugendentwiclung der Pflanzen zu erreichen: Streckung der Hauptsproßachse, Anlage der Blätter (Mitte Juni), Blütenbildung. Das Temperaturoptimum der Photosynthese beträgt 25°C.
Schließlich sind hohe Temperaturen günstig für das Wachstum und die Differenzierung der Achäne, mit einer positiven Beziehung zur Ertragshöhe. Es gibt auch eine Korrelation zwischen Temperatur und Fettsäuremuster (negative Korrelation der Temperatur zum Linolsäuregehalt).

Licht : Während der Hauptwachstumsphase ist die Sonnenblumenpflanze empfindlich gegen Beschattung, die Leistung der Einzelpflanze geht sehr stark zurück mit einer Minderung des Lichteinfalls.

Wasser : Der Wasserverbrauch der Sonnenblume ist nicht gering, aber sie hat eine gute Resistenz gegen Trockenheit, dank zweier Ursachen :

Die Sonnenblume verbraucht 500-600 mm Wasser während der Vegetationsperiode und 150 mm Wasser zwischen die Blüte und dem Ende der Samenfüllungsphase, um einen Ertrag von 30q/ha zu erreichen.

2. Die Nährstoffversorgung :

Stickstoff : Die Sonnenblume absorbiert den Stickstoff am meisten zwischen dem 5-Blattstadium und der Blüte. Sie kann aus großer Bodentiefe mineralischen Stickstoff zu sich nehmen. Der Gesamtverbrauch des Anbaus beträgt circa 150 kg für einen Ertrag von 30q/ha. Zu viel Stickstoff fördert die vegetative Entwicklung, die Entwicklung der Pilze und das Lager. Eine Reifehemmung und eine Senkung des Ölgehalts werden auch beobachtet.
Bor : Es ist sehr wichtig für die Sonnenblume, die mehr als 400 g/ha, davon 80% zwischen dem 5-Blattstadium und der Blüte benötigt. Ein Mangel hat Blattnekrosen, dann Stengelbrüche und Ertragsminderungen zur Folge.
Phosphorsäure (P2O5) und Kali (K2O) : Sie sind gering notwendig und werden leicht aus dem Boden genommen.
Magnesium (MgO) : Der Mangel bewirkt, dass das 1000-Korn-Gewicht reduziert wird. Um dies zu vermeiden, werden 90 kg/ha MgO gebraucht.

B. Wesentliche Schädlinge und Krankheiten :

1. Tiere :

Nacktschnecken : Sie fressen die Keimlinge und die Jungenpflanzen, die welken und absterben. Sie sind aktiver unter feuchten Bedingungen.
Blattläuse : Die Schäden sind nur hoch, wenn die Insekten vor dem Auftreten der Knospe kommen : sie können Ertragsverluste von 4q/ha verursachen. Nach diesem Stadium ist die Gefahr geringer, jedoch provozieren sie Blattkräuseln, die den Befall mit Pilzen wie Sclerotinia fördern.
Andere Schädlinge : Bodenlarven, wie Drahtwürmer oder Raupen des Sonnenblumenzünsler, Wild, Mäuse und Vögel haben manchmal einige Schäden zur Folge, aber sie sind unbedeutet.

2. Pilze :

Plasmopara helianthi (Falscher Mehltau der Sonnenblume) : Er gehört dem Stamm der Oomycota an, dass heißt, er überdauert als Oosporen in abgefallenen Blättern. Er ist obligat biotroph und ist die Ursache für große Schäden im Sonnenblumenanbau in Frankreich : zwergige Pflanzen mit Ölflecken auf den Blättern, die keinen oder niedrigen Ertrag geben. Der Mehltau wird von feuchten Bedingungen gefördert.
Phomopsis helianthi : Es ist ein Deuteromycotina, sogenannt "Fungi imperfecti". Braune Flecken treten zuerst auf den Blättern, dann auf dem Stengel, der aufbricht, und auf der Blüte auf : es hat eine große Ertragssenkung und einen Ölertragsminderung um bis zu 30% zur Folge. Der erste Befall ensteht im Mai, wenn die Temperaturen 10°C überschreiten. Eine feuchte Witterung fördert die Entwicklung des Pilzes.
Sclerotinia sclerotiorum : Es gehört dem Stamm der Ascomycota an. Ein weißer Rasen entwickelt sich auf dem Stengel, den jungen Blättern oder hinter den Blüten. Die Jungpflanzen welken und gehen ein. Der Befall älterer Pflanzen führt zu Kümmerpflanzen, die keinen vollen Ertrag bringen und vorzeitig braun werden. Der Pilz bildet Sklerotien, die mehrere Jahre im Boden überdauern können, so lange, bis günstige Bedingungen im Frühjahr wieder eine Entwicklung erlauben.
Botrytis cinerea : Es ist auch ein Ascomycotina. Graue Sporen wachsen auf den Blüten, besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit und ca. 15°C (kann sich von 5 bis 25°C entwickeln).
Andere Pilze, wie Verticillium dahliae, Macrophomina phaseoli, Phoma oleraceae oder Alternaria helianthi können geringe Schäden verursachen.
 

II. Die Kultursteuerung, um einen hohen Ertrag zu bekommen :

A. Anbau :

1. Bodenvorbereitung :

Eine tiefe Bodenbearbeitung sichert eine gute Verwurzelung der Pflanze und damit eine wirksame Fähigkeit, um Wasser aus größerer Bodentiefe und Nährstoffe aufzunehmen. Das Pflügen ist besonders günstig, weil es nicht nur die Hindernisse für die Wurzeln zerstört, sondern auch die Ernterückstände des vorhergehenden Anbaus vergräbt. Dies darf nicht unter nassen Bedingungen gemacht werden, um Bodenverdichtungen zu meiden.
Wenn es notwendig ist, kann ein allgemeines Herbizid ein Monat vor der Aussaat angelegt werden, weil nach dieser kein Produkt gegen Dikotyledone benützt werden darf. Im Falle eines Mangels kann ca. 1,2 kg/ha Bor mit dem Herbizid gemischt ausgebracht werden.

2. Sortenwahl :

Die Sorte wird nach 3 Parametern gewählt :


3. Aussaat :

Um eine frühzeitige Ernte, die einen Ertrag sichert, zu erreichen, muss die Aussaat am frühsten erfolgen, dass heißt so bald der Boden genug getrocknet und wärmer als 8°C ist. So ist der Feldaufgang schnell. Nach der Region stuft sich die Aussaat von Ende März bis Ende April ab.
Die Arbeitsgeschwindigkeit darf 5 km/h nicht überschreiten, um eine gleichmäßige Aussaat zu bekommen. Eine optimale Saatmenge zwischen 50 und 60.000 Pflanzen/ha (mit einem Maximum von 75.000 Korn) und ein Reihenabstand von 50 bis 60 cm sollen eingehalten werden, um Sclerotinia zu begrenzen und genug Lichteinfall zuzulassen.
Vor dem Aufgang wird die Nacktschneckenzahl beobachtet. Wenn sie zu stark auftreten, wird ein Molluskizid appliziert. Für die anderen Schädlinge soll das Risiko evaluiert werden, um zu entscheiden, ob es notwendig ist zu reagieren.
Schließlich wird der Bodenstickstoff durch eine Stickstoff-Düngung ergänzt, je nach dem Bodenrest und der Tiefgründigkeit des Bodens, wie in folgender Tabelle gezeigt:
 

Bodenrest kleine Bodentiefe große Bodentiefe
niedrig (30 kg/ha)
40 bis 80 kg/ha
mehr als 80 kg/ha
mittel (60 kg/ha) < 40 kg/ha 40 bis 80 kg/ha
hoch (90 kg/ha)
0
< 40 kg/ha
(Quelle: CETIOM, Tournesol, les techniques culturales, le contexte économique, CETIOM, 2001.)

Wenn wenig Niederschläge während des Winters gefallen sind, müssen diese Zahlen gesenkt werden.
 

B. Entwicklung und Ertragsbildung :

1. Bewässerung :

Die Sonnenblume wird wenig bewässert im Vergleich zu anderen Kulturen, aber Bewässerung nach dem Blühen wirkt stark. Der Bewässerungsanfang hängt von der Vegetativentwicklung ab, und die Wasserquantität von der Wasserreserve des Bodens :


(CETIOM, Tournesol, les techniques culturales, le contexte économique, CETIOM, 2001.)

Die Rentabilität der Bewässerung ist klein, wenn es eine gute Vegetativentwicklung gibt (Reihenzwischenräume unsichtbar), besonders wenn die Wasserreserve zwischen 60 und 100 mm liegt.

2. Krankenheiten und Düngung :

Man kann Phomopsis mit dem Einsatz von Fungiziden, wenn die Sonnenblumen 55-60 cm hoch sind, bekämpfen, besonders wenn eine Bewässerung gemacht wird und die Witterung günstig für den Befall des Pilzes ist.
Die Gehalte der Mineralelemente der Pflanzen können am Anfang der Blüte analysiert werden, um zu wissen, ob etwas fehlt. Dann wird es ergänzt.
 

C. Ernte und Lagerung :

Die Ernte wird durchgeführt, wenn die Rückseite der Blütenkörbe braun-gelb verfärbt ist, grüne Blätter am Stengel nur mehr oben vorhanden sind und der Stengel hell-beige ist. Dann beträgt der Feuchtigkeitsgehalt des Samens zwischen 9 und 11%. Der Zeitpunkt ist Ende August oder Anfang September im Süden, Mitte September im Norden und Osten erreicht. So werden die Schäden von Vögeln, Sclerotinia und Botrytis, das Lager und der Kornausfall sowie die Samenfäule aufgrund der Herbstregen vermieden.
Das Erntegut wird vor die Lagerung gereinigt. Die Lagerbedingungen werden von einer Kombination zwischen Lagerungsdauer, Feuchtigkeit und Temperatur fixiert. Optimal ist, wenn die Feuchtigkeit weniger als 8% beträgt. Andernfalls ist ein Belüftungssystem mit mehr oder weniger warmer Luft notwendig.

Zum Schluss : Ein guter Ertrag wird besonders durch den Anbau festgelegt. Die Sonnenblume verbraucht wenig Düngung, Bewässerung und Pflanzenschutzmittel, und nimmt gut die Bodennährstoffe auf. Mehr noch, sie ist in der Fruchtfolge sehr interessant vor einem Getreideanbau, weil sie die Kranheiten und Parasitenkreise des Getreides bricht. Die Sonnenblume ermöglicht auch eine gute Unkrautbekämpfung, sodass die Erträge des Getreides oft höher sind. So ist die Sonnenblume, die maximal alle drei Jahre in einer Fruchtfolge angebaut werden sollte, eine sehr interessante Kultur, um so mehr, als die Arbeitszeiten nicht mit der Getreidebearbeitung zusammenfallen.
 

Literatur :