Mohn – eine Ölpflanze mit regionaler Bedeutung

Dipl.Ing. Birgit Hofbauer (email: birgit.hofbauer@gmx.at)

Seminar im Rahmen der Lehrveranstaltung: Ölpflanzen- Züchtung, Anbau und Verwertung, 27.11.2003




Einleitung

Mohn ist eine sehr alte Kulturpflanze, deren Anbau in Österreich eine lange Tradition hat. Die Samen haben nicht nur in der Küche ihren wohlverdienten Platz, sondern finden auch in Form eines kaltgepressten, wertvollen Speiseöls immer mehr Anhänger.

Entwicklung der österreichischen Anbaufläche und des österreichischen Mohnmarktes

Wenn man die Anbauflächen von Mohn im Laufe der Jahre betrachtet, ist festzustellen, daß die Fläche ab 1987 zunimmt, 1995 einen Höhepunkt erreicht und dann wieder abnimmt. Die folgende Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Mohnfläche in Österreich. Neben der Anbaufläche ist auch der Durchschnittsertrag pro Hektar dargestellt. Die Erträge schwanken je nach Anbaujahr mehr oder weniger um 1000 kg/ha.


Abb.1:Entwicklung des Mohnanbaues in Österreich von 1970 bis 1999

Entwicklung und Bedeutung des Wintermohnes

Besondere Aufmerksamkeit verdient die züchterische Bearbeitung des Mohnes im Hinblick auf die Winterfestigkeit. Seit Beginn der 90er Jahre wird Wintermohn von Dr. Georg Dobos züchterisch bearbeitet. Ausgangsmaterial für die erste österreichische Wintermohnsorte war eine ungarische blausamige Landsorte.

Ende 1997 kam es zur Eintragung der ersten Wintermohnsorte mit dem Namen ZENO in die österreichische Sortenliste (Anonym, 1998a). Betont sei an dieser Stelle, daß es sich bei Wintermohn nicht um einen einfach im Herbst angebauten Mohn handelt, sondern um einen an Winterbedingungen angepaßten Genotyp (Dobos, 1997). Die Anpassung betrifft neben der Winterfestigkeit auch Merkmale wie Rosettenausbildung, Blühtermin und Reifezeit (Dobos und Vetter, 1997).

 

Unterscheidung Winter – und Sommermohn

Die Unterscheidung Winter - und Sommermohn ist vor allem für diese Arbeit wesentlich. Wintermohn wird als Winterung betrachtet. Die Unterscheidung kann durchaus mit jener zwischen Sommer- und Wintergetreide verglichen werden. Der Wuchstyp ist von dem des Sommermohnes sehr verschieden. Es genügt nicht der Herbstanbau einer Sorte allein, um sie als Wintermohn zu bezeichnen (Dobos, 1996).

Mit dem Anbau von Wintermohn im Herbst kann man die langsame Jugendentwicklung und die geringe Konkurrenzkraft des Sommermohnes im Frühjahr umgehen. Trotz der Gefahr des Auswinterns überwiegen die Vorteile wegen einer unproblematischeren Unkrautbekämpfung und einem höheren Ertrag.

 

Gängige Mohnsorten in Österreich

Interessant sind jene Sorten, die in verschiedenen österreichischen Regionen zum Anbau kommen. Im Waldviertel prägen die Graumohnsorten Edel-Weiß und Edel-Rot den Anbau, während in Oberösterreich vor allem Blaumohnsorten gebaut und vermarktet werden.

Zugelassen waren 1998 laut der Österreichischen Sortenliste 3 Sommermohnsorten (Edel-Weiß, Edel-Rot, Florian) und die Wintermohnsorte Zeno (Anonym, 1998a).

Die beiden Waldviertler Graumohnsorten, die von der Saatzucht Edelhof aus einer Zwettler Landsorte gezüchtet wurden, kamen am 18.12.1990 zur Zulassung. Sie zeichnen sich durch die graue Samenfarbe aus und gehören zur Varietät der Schüttmohne (Anonym, 1998b). Der Waldviertler Graumohn ist weit über die Grenzen der Region als Spezialität bekannt und seit dem 18.6.1997 mit der Ursprungsbezeichnung (g.U.) der EU besonders geschützt. Mohn, der unter der Bezeichnung "Waldviertler Graumohn - g.U." auf den Markt gebracht wird, darf in Zukunft nur im Waldviertel erzeugt und verarbeitet werden.

Die Sommermohnsorte Florian ist ein Schließmohn mit grauer Samenfarbe und wurde am 19.12.1995 zugelassen (Anonym, 1998b).

Der Wintermohn Zeno ist ein violett blühender Schließmohn mit blauer Samenfarbe. Er wurde am 30.12. 1997 zugelassen (Anonym, 1998b).

Die gängigste ausländische Sorte, die in Österreich zum Anbau kommt, ist die holländische Sorte Marianne, ein Schließmohn mit blauer Samenfarbe. Als Weißmohn ist die Sorte GUSENTALER in Kultur. Das Problem der Sorten, die nicht in Österreich gezüchtet wurden, besteht oft in der fehlenden Anpassung an die heimischen Klimabedingungen (Buchgraber et al., 1997).

Weiters ist in der aktuellen Sortenliste der Wintermohn Zeno 2002 und der Sommermohn Zeta + eingetragen. (www.lwvie.ages.at)

Biologische und physiologische Grundlagen des Mohnes

Der einjährige Kulturmohn (Papaver somniferum L.) gehört zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) und ist wahrscheinlich aus einer Wildform (Papaver setigerum) im Mittelmeerraum entstanden. Die Nutzung als Kulturpflanze geht nachweislich bis in die Zeit der Pfahlbauten zurück. Damals diente der Anbau von Mohn überwiegend der Ölgewinnung aus den Samen. Auch die Verwendung des Milchsaftes, der aus den Kapseln gewonnen werden kann, als Rauschmittel und die Verwendung der Samen als Lebensmittel dürften schon lange bekannt gewesen sein (Geisler, 1988).

In aktuellen Forschungsberichten von Dobos wird eine Fremdbefruchtungsrate bei Mohn in Nachbarreihen von durchschnittlich 7%, in Einzelfällen aber bis zu 16% angeführt (Dobos, 1999b).

Der Fruchtknoten und die Narbe mit den Narbenstrahlen sind bei Mohn relativ groß. Entsprechend der Zahl der Narbenstrahlen, die an der reifen Kapsel erhalten bleiben, werden in der Kapsel Scheidewände ausgebildet. An denen wachsen die zahlreichen kleinen, nierenförmigen Samen mit einem Tausendkorngewicht von 0,25 bis 0,70 g heran. Die Zahl der Scheidewände und damit die der Narbenstrahlen beeinflußt erheblich den Samenertrag (Schuster, 1992). Weitere wichtige Ertragskomponenten sind die Anzahl der Pflanzen/Fläche, die Anzahl der Kapseln/Pflanze, das TKG und der Ölgehalt der Samen (Geisler, 1983).

Der Ölgehalt der Samen ist mit bis zu 50% sehr hoch. Die Qualität wird durch den hohen Anteil an Linolsäure (ca.60%) und Ölsäure (ca.30%) bestimmt. Mit dem kaltgepressten Öl werden neben begehrten Malerfarben hervorragender Qualität auch hochwertige Speiseöle hergestellt. Bei der Kaltpressung bleibt ein hoher Anteil Öl (mehr als 10%) im Rückstand, der zusammen mit dem Eiweißgehalt (ca. 40%) ein hochwertiges und energiereiches Futter liefert (Geisler, 1988).

Die Blätter, Stengel und Kapseln enthalten einen dickflüssigen Milchsaft, der, genotypisch verschieden, für die Pharmazie wichtige Alkaloide (z.B.: Morphin, Tebain, Kodein u.a.) enthält. Heute dient der größte Teil des Mohnanbaues in der Welt vornehmlich der Alkaloid-Gewinnung für medizinische Zwecke. Der Bedarf an Mohnsamen für den Direktverzehr in Mehlspeisen ist vor allem in Europa beachtlich. Nur ein geringer Teil wird zu Öl weiterverarbeitet, da hier billigere Rohstoffe mit vergleichbarer Ölqualität zur Verfügung stehen (Schuster, 1992).

In Österreich findet ein erheblicher Teil des produzierten Mohnes in Form von Samen in der traditionellen Küche Verwendung. Nur ein kleiner Teil wird zu Öl verarbeitet und dann oft direkt vermarktet.

 

Grundsätzlich unterscheidet man bei Mohn zwischen:

Unterscheidung Winter - und Sommermohn siehe oben !

Die Samenfarbe ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal. Sie variiert von weiß, gelblich-weiß über braun und allen Schattierungen von blau bis grau:



Produktionstechnische Grundlagen des Mohnanbaues

Die Klimaansprüche des Mohnes sind bescheiden, so daß diese Kulturpflanze problemlos bis in Höhenlagen von über 800 m angebaut werden kann. Der Sommermohn als einjährige Sommerfrucht hat in der frühen Entwicklungsphase eine hohe Kältetoleranz. So können Spätfröste den Jungpflanzen wenig anhaben. Die Sommer sollten aber warm und feucht sein.

Mohn ist eine Kulturpflanze für mittlere Böden. Nicht geeignet sind sehr schwere Böden, Böden mit stauender Nässe oder leichte Sandböden. Das Saatbett muß gelockert und gartenmäßig vorbereitet werden, damit die kleinen Samen mit einer Saattiefe von höchstens 1 cm angebaut werden können.

Mohn ist eine Langtagpflanze. Dies soll durch die Wahl eines möglichst frühen Aussaattermines berücksichtigt werden, damit noch eine ausreichende vegetative Entwicklung vor der generativen Phase ablaufen kann. Üblich ist ein Anbau von Sommermohn im März bis spätestens Anfang April. Wintermohn ist bis Mitte September auszusäen, damit sich bis in den Spätherbst eine ausreichende Blattmasse entwickeln kann (Buchgraber et.al., 1997).

Der Saatgutbedarf ist je nach Anbauverfahren unterschiedlich. Bei der Einzelkornsaat werden 30 - 60 dag/ha (Anonym, 1998b) mit einem Reihenabstand von 30-45 cm ausgebracht. Abbildung 2 zeigt eine Detailaufnahme einer Einzelkornsämaschine. Die Einzelkornsaat garantiert eine präzise Ablage und ist deshalb gerade für Feinsämereien wie Mohnsamen sehr gut geeignet.

Die Einzelkornsaat ist vor allem im Anbaugebiet des Waldviertels gebräuchlich, weil hier die Unkrautbekämpfung zum Großteil mechanisch erfolgt. Der Reihenabstand richtet sich meist nach den Reihenweiten der verwendeten Hackgeräte für die mechanische Unkrautbekämpfung.



Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung einer Drillmaschine. Die Aufwandmenge des Saatgutes liegt bei 0,6 kg/ha. Es ist daher oft notwendig, das Saatgut mit einem Streckmittel (z.B. "Bäckergrieß") auf die für die Sämaschine erforderliche Ausbringungsmenge zu strecken (Buchgraber et. al., 1997).

In der beschreibenden Sortenliste 1998 werden eine Reihenweite von 20-40 cm und ein Saatgutaufwand von 0,7-1,0 kg/ha angegeben (Anonym, 1998b).

 

Die Düngung ist je nach Bodenbonität unterschiedlich. Mohn hat ein geringes Nährstoffaneignungsvermögen. Bei Stickstoff liegt das Aufnahmemaximum bei 130 kg N/ha. Bei Phosphor und Kali ist auf einen guten Versorgungszustand der Böden zu achten. Mohn reagiert auf Bormangel sehr empfindlich – dies muß zum Zeitpunkt der Kalkung berücksichtigt werden (Buchgraber et. al., 1997).

Bekämpfung von Unkraut

Vorbeugend sollten folgende Maßnahmen getroffen werden:

Sommermohn ist aufgrund seiner langsamen Jugendentwicklung sehr empfindlich gegen Unkrautkonkurrenz. Wenn der Anbau mit einem ausreichenden Reihenabstand erfolgt, kann eine mechanische Hacke zwischen den Reihen durchgeführt werden. In der Reihe muß eine händische Unkrautbekämpfung erfolgen (Hain, 1996).

 

Aufgrund der Empfindlichkeit des Mohnes gegenüber zahlreichen herbiziden Wirkstoffen ist der mechanischen Unkrautbekämpfung eine besondere Bedeutung beizumessen.

Häufig kommt bei Mohn die sogenannte Scharhacke zum Einsatz. Für dieses Gerät ist die Anpassung an verschiedene Standort- und Bodenbedingungen gut möglich, weil es ein vielfältiges Angebot an Arbeitswerkzeugen (Winkelmesser, Gänsefußschare, Lockerungsschare) gibt. Für die genaue Tiefenführung sind Parallelogramme mit Stützrädern verantwortlich. Die Anpassung an unterschiedliche Reihenabstände erfolgt relativ einfach durch Verschieben der Hackelemente am Rahmen oder durch Versetzen der Zinken an den Hackeinheiten. Wurzelunkräuter werden durch die Schneidewirkung der Messer gut erfaßt. Für die Schonung der Kulturen ist eine gute Seitenstabilität der Messer erforderlich. Beim ersten Hackvorgang ist es oft erforderlich, die noch kleinen Pflanzen durch Scheiben oder Bleche zu schützen.

Neben der unkrautbekämpfenden Wirkung hat eine mechanische Hacke auch ertragsfördernde Nebeneffekte, wie z.B. eine Erhöhung der Standfestigkeit durch Häufelwirkung. Der Boden kann nach der Hacke auch Regenwasser besser aufnehmen (Pichler, 1992).

 



Hin und wieder kommen auch Hackbürsten zum Einsatz. Die senkrecht rotierenden Kunststoffbürsten ziehen die Pflanzen aus dem Boden, trennen die Wurzeln gut von der anhaftenden Erde und legen sie zum Großteil an der Oberfläche ab. Bei den senkrecht rotierenden Hackbürsten werden die Kulturpflanzen durch einen Schutztunnel abgeschirmt und somit vor Beschädigungen geschützt. Zu beachten ist, daß der Einsatz nur bei trockenem Boden sinnvoll ist, da sich sonst die Borsten verschmieren (Pichler, 1992).

 


Möglichkeiten der chemischen Unkrautbekämpfung

Offiziell ist bei Mohn das Herbizid Lentagran WP mit dem Wirkstoff Pyridate in einer Aufwandmenge von 2 kg pro Hektar ab dem 6-Blattstadium des Mohnes zugelassen (Hain, 1996). Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung sind ein einheitlicher Bestand und kräftige Pflanzen, da sonst Schäden an der Kultur möglich sind. Eingesetzt wird Lentagran WP vor allem gegen Amarantarten, Bingelkraut, Ehrenpreisarten, Franzosenkraut, Gänsefuß- und Hohlzahnarten, Klettenlabkraut und Taubnesselarten.

Weiters zugelassen sind Fusilade MAX und Centium. (www.lwvie.ages.at)

Nach verschiedenen Aussagen von Landwirten führt Lentagran WP unter Umständen auch bei guter Ausbildung der Wachsschicht der Mohnblätter zumindest zu einem kurzen Wachstumsstillstand oder zur Schädigung des Mohnes.

Literatur:

Buchgraber; Fruhwirth; Köppl und Krautzer (1997): Produktionsnischen im Pflanzenbau. Graz: Leopold Stocker Verlag.

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft – BMLF (1998): Österreichische Sortenliste 1998. Wien: Selbstverlag, 21f.

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft – BMLF (1998): Österreichische beschreibende Sortenliste 1998. Wien: Selbstverlag, 136.

Dobos, G. (1996): Züchterische Bearbeitung von Körneramaranth, Quinoa und Wintermohn unter Berücksichtigung der im Laufe einer Introduktion auftretenden Fragen. Wien: Selbstverlag.

Dobos, G. und Vetter, S. (1997): Variation des Morphingehaltes bei Wintermohn – Herkünften. Zeitschrift für Arznei- und Gewürzpflanzen, 2: 87 – 89.

Dobos, G. (1997): Wintermohn bietet neue Perspektiven. Blick ins Land 6/97, 21.

Dobos, G. (1999): Selektionsarbeiten bei neuen Wintermohn-Herkünften mit besonderer Berücksichtigung des Morphin- und Fettgehaltes bzw. morphologischer Merkmale. Wien: Selbstverlag.

Geisler, G. (1983): Ertragsphysiologie von Kulturarten des gemäßigten Klimas. Berlin: Paul Parey Verlag.

Geisler, G. (1988): Pflanzenbau. 2. Auflage., Berlin: Paul Parey Verlag.

Hain, E. (1996): Unkrautregulierung in Kleinalternativen. Der Pflanzenarzt 6/96, 9 –11.

Pichler, H. (1992): Mechanische Unkrautbekämpfung in Alternativkulturen. Der Pflanzenarzt 4/92, 3 – 5.

Schuster, W. (1992): Ölpflanzen in Europa – "Biologie der Pflanzenöle". Frankfurt am Main: DLG – Verlags GesmbH.