Birgit Hofbauer (email: birgit.hofbauer@gmx.at)
Seminararbeit im
Rahmen
der Vorlesung Ölpflanzen - Züchtung,
Anbau, Verwertung
im Wintersemester
1999/2000, Wien, 15. Dezember 1999
Einleitung
Das Ursprungsgebiet dieser alten Kulturpflanze liegt in Zentralasien. Heute ist Hanf (Cannabis sativa L.) aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit und seiner außerordentlichen Anpassungsfähigkeit auf der ganzen Welt verbreitet.
Hanf gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabinaceae),
ist eine einjährige Kurztagspflanze und zweihäusig
(diözisch), d.h. es gibt männliche (Femelhanf) und weibliche
(Hanfhennen) Pflanzen. Die Bestäubung der weiblichen Blüten
erfolgt
fast ausschließlich über Fremdbefruchtung durch den
Wind.
Die männlichen Pflanzen sind meist etwas schwächer entwickelt
(kleiner), reifen schneller und früher als die weiblichen. Seit
dem
Beitritt Österreichs zur EU wird der Hanfanbau (nachwachsender
Rohstoff)
von bestimmten Hanfsorten mit einem THC-Gehalt kleiner als 0,3%
gefördert.
(THC = Tetrahydrocannabiol)
Ansprüche an Boden und Klima
Die Ansprüche des Hanf an den Boden sind mit Ausnahme eines
relativ
hohen Wasserbedarfes nicht allzu groß. Die Massenentwicklung ist
zwischen der 4. und der 10. Wachstumswoche am größten, in
dieser
Zeit ist auch der Nährstoff - und der Wasserbedarf relativ hoch.
Der
Anbau ist auch unter weniger günstigen Klima - und
Bodenbedingungen
möglich, sofern es sich nicht um sehr arme Sandböden oder
kalte
und feuchte Standorte handelt. Am besten geeignet sind allerdings tiefgründige,
humose, kalkhaltige Böden mit guter Wasserversorgung, die
neutral
bis leicht basisch sein sollten. Die Pflanzen können bis zu 4
Meter
hoch werden und leisten mit ihrer kräftigen Pfahlwurzel
einen
wertvollen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit. Die besten Erträge
werden
im gemäßigten Klima erbracht, wobei die Jungpflanzen auch
leichte
Nachtfröste (bis -5°C) überstehen. Das Temperaturminimum
für die Keimung liegt bei 4 - 5 °C, was in einer nicht zu
frühen
Aussaat zu berücksichtigen ist.
Vom Anbau bis zur Ernte
Von April - Mitte Mai wird Hanf mit einer Saattiefe von 3 cm gesät. Die Aussaatmenge und die Bestandesdichte hängt vom Anbauverfahren (Drillsaat oder Einzelkornsaat) und der späteren Nutzung des Bestandes ab. Für die Samennutzung reichen 8 - 15 kg/ha aus, für die Fasernutzung werden 20 - 30 kg/ha (oft auch mehr) angebaut. Die Bestandesdichte soll für die Fasernutzung (wenige Verzweigungen erwünscht) höher sein als für die Samennutzung.
Eine chemische Unkrautbekämpfung ist durch die schnelle Jugendentwicklung kaum notwendig. Bei der Samennutzung und einer damit einhergehenden geringeren Bestandesdichte kann eine mechanische Unkrautbekämofung notwendig werden.
Die Samenernte erfolgt mit einem Axialmähdrescher, der
die
Pflanzen relativ hoch abschneidet. Die Erträge liegen zwischen
800 und 1300 kg/ha. Die Lagerung der Hanfsamen soll unter einem
Wassergehalt
von 8% erfolgen. Problematischer ist die Faserernte und der
Aufschluß
der Fasern.
EU-Bestimmungen
Der Hanfanbau in Österreich ist nicht illegal solange der Hanf nicht zur Suchtgiftherstellung herangezogen wird (im österreichischen Gesetz sind keine Angaben über Sorten oder Grenzwerte im THC - Gehalt zu finden). Das Inverkehrbringen von Saatgut in der EU ist aber nur erlaubt, wenn die anzubauenden Sorten im "Gemeinsamen Sortenkatalog der EU" aufgelistet sind. Diese Sorten müssen einen THC-Gehalt von weniger als 0,3% aufweisen. Tatsächlich können die Landwirte auf eine Reihe französischer Sorten zurückgreifen. (je höher die Zahl hinter den Sortenbezeichnungen der französischen Herkünfte ist, desto später ist die Blüte) In der österreichischen Sortenliste sind bis 1999 4 Sorten, darunter auch einhäusige Züchtungen, eingetragen (Beniko, Bialobrzeskie, Felina 34, Kompolti).
Für die Flächenprämien (9.094 öS/ha im
Wirtschaftsjahr
98/99) sind neben einer Mindest-Aussaatmenge von 20 kg/ha auch
Mindesterträge
vorgeschrieben. Ab der Ernte 1999 ist ein Strohertrag von
mindestens
2,5 t/ha zu erzielen, sonst wird die Beihilfe um 65% gekürzt. Wenn
die Samen getrennt geerntet werden, kann der Samenertrag mit dem
Strohertrag
addiert werden. Der Landwirt muß einen Verkauf des Strohs an
einen
zugelassenen Verarbeitungsbetrieb nachweisen können.
Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten
| Genutzte Teile der Pflanze | Hanfprodukte, die im Handel oder in Entwicklung sind |
| Samen | Speisewaren in Müsliriegel, Backwaren, Brot oder Käse, Vogelfutter |
| Öl | Speiseöl, Magarine, Technisches Öl (Kosmetik, Lacke) |
| Blätter | Anstelle eines gewissen Anteils von Hopfen im Bier |
| Blüten | Arzneimittel auf THC Basis |
| Fasern | Garne, Stoffe, Vliese,
Papier (Zigarettenpapier, Kaffeefilter, Filter,...) Autoteile ( Formpreßteile, Kupplungsbeläge,..) |
| Schäben | Papier, Dämmstoffe, Bauzuschlagsstoffe, Tiereinstreu, Heizmaterial, Verpackung |
| Fasern und Schäben | Papier, Pappe, Kartons, Dämmstoffe, Baustoffe und - zuschlagsstoffe (Bauplatten, Estrich, Mörtel,..) |
Samennutzung und Ölgewinnung


Das weiche Sameninnere wird von einer graubraunen harten Samenschale
geschützt. Die Samen haben einen Durchmesser von 3 -4 mm und ein
TKG
von 15 - 20 g. Im Vergleich zu anderen pflanzlichen Lebensmitteln
enthalten
die Hanfsamen viel Protein und einen bemerkenswert hohen
Gehalt
an B-Vitaminen, Vitamin E, Calcium, Magnesium, Kalium und Eisen.
Der
Proteingehalt von 20 - 24% enthält die 8 essentiellen
Aminosäuren
die der Mensch mit der Nahrung aufnehmen muß, in einer für
den
menschlichen Stoffwechsel geeignetem Aufnahmeverhältnis. Für
das Immunsystem und die Bildung von Antikörpern spielen die Gloduline
(bis zu 65% im Hanfprotein enthalten) eine wichtige Rolle.
Aus den Samen kann in herkömmlichen Ölpressen Hanföl
gewonnen werden. Als Preßverfahren ist die Kaltpressung am
besten geeignet. Die Preßtemperatur beträgt 40 - 60°C
und
so bleiben die wertgebenden Inhaltsstoffe erhalten. Bei einem
Ölgehalt
von 30 - 35 % kann man mit einem Ölertrag von 180 - 350 l/ha
rechnen.
Der verbleibende Preßkuchen ist ein ausgezeichnetes Viehfutter.
Das Öl ist durch den hohen Anteil an wertbestimmender Linol - u. Linolensäure ein ernährungsphysiologisch sehr hochwertiges Öl. Es eignet sich mit seinem nußartigen Geschmack hervorragend als Speiseöl.
Das Hanfsamenöl zeichnet sich durch einen ausgewogenen Anteil
an
mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus, deren Anteil bei ca
90%
liegt. Die genaue Zusammensetzung ist dem Fettsäuremuster zu
entnehmen.
Hanföl ist wie alle Öle, die einen hohen
Linolsäuregehalt
aufweisen, sehr anfällig für Autooxidation, dadurch wird
besondere
Sorgfalt bei Herstellung und Lagerung (das Öl ist auch
gekühlt
nur begrenzt haltbar) des Öles verlangt.
Fettsäuremuster von Hanföl
| Fettsäuren | Mittelwert % |
| C 16:0 (Palmitinsäure) | 6-7 |
| C 18:0 (Stearinsäure) | 2 |
| C 16:1 (Palmitoleinsäure) | 0,1 |
| C 18:1 (Ölsäure) | 11-12 |
| C 18:2 (Linolsäure) | 50-70 |
| C 18:3 (Linolensäure) | 20-25 |
Aus Linolsäure entsteht eine weitere wichtige Fettsäure,
die
Gammalinolensäure,
die äußerst selten in Pflanzen vorkommt (Hanföl 2 bis
4%;
Nachtkerzen 6 bis 14% und Borretsch 25 bis
40%). Die
aus ernährungswissenschaftlicher und medizinischer Sicht
hochinteressanten
Inhaltstoffe Linolsäure und Gammalinolensäure werden z.B. in
der Heilung von Neurodermitis, Prämenstruellem Syndrom,
Gelenksrheumatismus
und Diabetische Neuroparthie eingesetzt.
Da Hanföl einen hohen Anteil an Triacylglycerine hat, bietet
sich
der Öleinsatz im Bereich der Kosmetikzusatzstoffe oder
der
Einsatz in der Reinigungsmittelerzeugung an. Durch bekannte
chemische
Verfahren (Verseifung, Ethoxylierung, Sulfatierung) können aus
Hanföl
verschiedene Rohstoffe (Seifen, Emulgatoren, Lösungsmittel,
Pflegestoffe,
Tenside) für die Kosmetik- und Reinigungsindustrie erzeugt werden.
Die Rohstoffe zeichnen sich durch leichte biologische Abbaubarkeit und
besondere Pflegeeigenschaften aus. Das Öl wird aber auch als
vollständiges
Öl in die Kosmetika eingebracht. Aufgrund der
Molekülstruktur,
die sich aufgrund der mehrfach ungesättigten Fettsäuren
ergibt,
besitzt Hanföl sehr gute Gleiteigenschaften die die Kosmetika sehr
haut- und haarfreundlich machen.
Hanföl ist für die Verwendung in der Oleochemie geeignet, da die wichtigsten Fettsäuren des Hanföls zu den gebräuchlichsten Rohstoffen der Oleochemie gehören.
Hanföl ist außerdem für Ölfarben und Firnisse insbesondere in Verbindung mit Leinöl (schnell trocknend), für Druckfarben im Offsetdruck (im Gemisch mit Mineralöl) und Reinigungsmittel in der Druckindustrie einsetzbar. Es wird auch ein biologisch leicht abbaubares Schmiermittel aus Dem Öl hergestellt.
Zum Thema Hanföl und Biodiesel sei bemerkt, daß sich der
Ölertrag zwar durch die züchterische Arbeit noch steigern
wird,
er aber an die Erträge von Sonnenblume oder Raps nur schwer
herankommen
wird. Deshalb wird man Hanföl in nächster Zukunft kaum als
Brennstoff
oder Biodiesel einsetzen. Abgesehen davon wäre es doch schade die
wertvollen Inhaltsstoffe im Hanföl auf ihren Brennwert zu
reduzieren.
Literatur