Die Erdmandel (Cyperus esculentus L.)

Markus Weiß (email: weissmotz@gmx.at)

Seminar im Rahmen der Lehrveranstaltung: Ölpflanzen- Züchtung, Anbau und Verwertung, 2. März 2007


1. Allgemeines und Botanisches

Die Erdmandel ist in unseren Breiten ein eher exotisches und unbekanntes Gewächs, wenngleich es auch in unserem Kulturkreis vor einiger Zeit schon einmal in Kultur stand und verbreitet war.

Für die Erdmandel gibt es sehr viele Bezeichnungen und Synonyme, unter denen sie in aller Welt bekannt ist. So wird sie auch als Knollen-Zyperngras betitelt, in Spanien Chufa genannt und das daraus gewonnene beliebte Getränk wird als Horchata de Chufa bezeichnet. Im englischen Sprachgebrauch weitere übliche Bezeichnungen sind tiger-nut, earth-nut, ground-nut, oder rush-nut.

Die Herkunft von C. esculentus ist nicht eindeutig geklärt. Einige Autoren vermuten den Ursprung in Nordafrika, wohingegen andere das Mittelmeergebiet als Heimat annehmen. Erdmandelknollen wurden als Grabbeigaben in antiken ägyptischen Gräbern gefunden, was bedeutet, dass auch im alten Ägypten die Erdmandel bereits einen gewissen Stellenwert als Nahrung gehabt hat. Sie wurde sowohl in Wasser eingeweicht als auch geröstet in vielfältiger Weise verwendet, so als Kaffeeersatz, für eine Art Schokolade, als Tierfutter und zur Seifenherstellung. Sie dürfte im 8. Jahrhundert von den Arabern mit deren Eroberungsfeldzügen über Nordafrika nach Europa gebracht und auch in Spanien verbreitet worden sein, wo sie heute noch in der Region Valencia eine bedeutsame Rolle spielt.

Die Erdmandel wurde bereits im 16. Jahrhundert auch in Deutschland vereinzelt wegen ihrer essbaren Rhizomverdickungen angebaut. Die derzeit etablierten Bestände (Unkrautproblematik, siehe später) gehen jedoch nicht auf diese Anbauten, sondern auf Einschleppungen mit Blumenzwiebeln oder mit Baumaschinen zurück.

Heute wird die Erdmandel vor allem in den afrikanischen Ländern Nigeria, Ghana und Togo kultiviert und hauptsächlich roh verzehrt, wobei ein Großteil der Produktion (2.300 to jährlich) nach Spanien exportiert wird. In Spanien selbst befindet sich das größte und wichtigste Anbaugebiet für C. esculentus in Europa. So werden in der Region um Valencia jährlich rund 900 ha mit Erdmandel bepflanzt, was eine Jahresproduktion von ca. 9.000 to ergibt.

Botanisch gesehen gehört die Erdmandel in der Familie der Cyperaceae, den Ried- oder Sauergrasgewächsen, zur Gattung der Zypergräser (Cyperus), die etwa 500 Arten umfasst, wovon die meisten in den tropischen und subtropischen Regionen vorkommen und nur rund 21 Arten in Europa (vorwiegend in den wärmeren Gebieten wie Pannonien und dem Mittelmeerraum) verbreitet sind. Verwandte europäische Gattungen sind Carex und Scirpus (Seggen und Binsen), die bei uns hauptsächlich auf Weideflächen und feuchten Wiesen vorkommen. Schuster (1992) beschreibt Cyperus esculentus als die Kulturform von Cyperus aureus.

Die Gattung Zypergras umfasst neben der Erdmandel zum Beispiel das auch in Europa vorkommende Schwarzrote Zypergras (Cyperus fuscus) und eine weitere Nutzpflanze nämlich die Papyrusstaude Cyperus papyrus. Ihre markhaltigen Halme dienten bei den alten Ägyptern bereits zur Herstellung von Papyrus (Papier). Sie wächst in großen Mengen in den Rohrsümpfen am Nil.

Cyperus esculentus zeigt eine große innerartliche Variation, die Art wird in mehrere Varietäten untergliedert. Die var. sativus wird beispielsweise in Nordafrika und Südeuropa (Region Valencia) wegen ihrer essbaren Knollen angebaut (diese nicht frostharte Varietät verwildert bei uns nicht), wohingegen die var. esculentus vorwiegend in Argentinien und in Galizien vorkommt.

Nach Kükenthal wurden 8 Varietäten von C. esculentus nachgewiesen, von denen drei zurückgedrängt wurden und derzeit 4 auch in verwilderter Form (esculentus, leptostachyus, macrostachyus und hermanii) sowie die kultivierte Varietät sativus vorkommen.

Der oberirdische Teil der Pflanze stellt einen dicht wachsenden Horst von zahlreichen langen, rauhaarigen und steifen Blattspreiten dar, die ca. 5-10 mm breit und etwas kürzer als der Stängel sind. Die aufrechten Stängel sind durch einen weißen Streifen und ein dreikantiges Profil gekennzeichnet. Von den Süßgräsern (2-zeilig) unterscheiden sich alle Cyprus-Arten durch ihre dreizeilige Blattanordnung und den knotenlosen Stängel.

Die Blütenstände selbst werden etwa 30 bis 50 (selten bis 100) cm hoch, kommen jedoch in Mitteleuropa normalerweise nicht zur Ausbildung, sodass die Vermehrung vorwiegend auf vegetative Weise erfolgt. Unter wärmeren Klimabedingungen können auch Samen ausgebildet werden, die dann zur Züchtung verwendet werden. Der Blütenstand besteht aus 4-10 Ästen mit weißen, geblichen oder bräunlichen in einer Ähre angeordneten Blüten und wird oft noch von mehreren Hochblättern überragt.

<>Unterirdisch bildet die Pflanze Reservestofforgane an Stolonen aus. An den fädigen Wurzeln entstehen die rundlichen bis länglichen, braunen etwas schrumpeligen etwa haselnussgroßen Knollen. Diese haben unter der dünnen Haut einen weißen Kern mit einem süßlichen, leicht vanilleartigen, an Mandel erinnernden Geschmack. Die genießbaren Knollen wurden bei uns schon im Mittelalter geröstet gegessen und fanden auch als Kaffeeersatz, ähnlich der Zichorie, Verwendung. Obwohl es auch Versuche und Untersuchungen für die Verwendung des Grünwuchses als Viehfutter gibt, sind das eigentlich Bedeutsame an der Pflanze die unterirdisch an Stolonen wachsenden Knollen, die Erdmandeln. Die Knollen weisen je nach Herkunft und Varietät einen Durchmesser von durchschnittlich 6 mm und eine Länge von 12 mm auf, wobei bei speziellen Sorten auch eine Länge von über 17 mm möglich ist. Das Gewicht pro Knolle ist aufgrund der hohen genetischen Diversität ebenfalls sehr unterschiedlich und ist von 0,224 (türkische Untersuchung) bis zu 1,09 g bei spanischen Untersuchungen dokumentiert. Schuster (1992) gibt ein Tausendknollengewicht von 240 bis 280 g an.

Erdmandel-Knollen



2. Anbau und Verwendung

Da die Erdmandel aufgrund ihrer südlichen Herkunft frostempfindlich ist, wird sie bei uns erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai ausgepflanzt, wenn die Bodentemperatur etwa 8-10°C erreicht hat. In südlicheren Regionen wie zum Beispiel in Spanien (Valencia) erfolgt der Anbau schon wesentlich zeitiger im Frühjahr. Früher wurde die Erdmandel erst im Juli nach der Weizenernte als Zweitfrucht angebaut, aber aufgrund er Intensivierung der Produktion und des höheren Knollenertrages bei früherem Anbau wird in den letzten Jahren vermehrt schon im April angebaut. Die ideale Keimtemperatur für die Erdmandel liegt bei rund 30° C. Die Knollen werden in einer Tiefe von 4-5 cm in einem Abstand von ca. 30 x 30 cm abgelegt.

Da bei der Ernte der Erdmandel aus dem Boden die oberen 15-20 cm Erdboden abgetragen und in der Erntemaschine gesiebt werden, ist es wichtig, dass sich das Bodenmaterial gut von den Knollen löst und nicht zu viel Erde haften bleibt. Es ist daher für die Kultivierung von Erdmandeln ein leichter Boden wie etwa sandiger Lehm zu bevorzugen.

Eine Knolle kann bis zu 1500 (eher 500) neue Knollen hervorbringen, die im Normalfall 40-50 cm (bis zu 75 cm) von der Mutterpflanze entfernt entstehen und einige hundert Blütenstände ausbilden können.

Die Erdmandel bevorzugt eine feuchtwarme Klimate und vor allem währen der Knollenbildung (August, September) ist eine ausreichende Wasserversorgung wichtig.

Hinsichtlich der Düngung stellt die Erdmandel keine allzu großen Anforderungen. So haben Untersuchungen in Spanien ergeben, dass eine Düngermenge von 250 – 400 kg/ha N keine Erhöhung des Knollenertrages brachte und bei einer Stickstoffmenge von über 500 kg/ha sogar zu einer Verringerung der Knollenproduktion führte. Eine ausreichende Kali- und Phosphorversorgung ist aber sicherzustellen.

Geerntet werden die Erdmandeln in Spanien zwischen November und Jänner, wenn die Pflanzen zur Gänze eingetrocknet sind. Zuerst erfolgt das Entfernen des oberirdischen Aufwuchses entweder maschinell oder durch Abbrennen. Bei der Ernte wird die obere Bodenschicht von der Erntemaschine abgehoben, über ein Sieb befördert und die Erde abgesiebt, sodass die Knollen der Erdmandel übrig bleiben. In den Mittelmeerländern erfolgte früher die Ernte beschwerlich per Hand, wobei heute häufig auf die maschinelle Ernte gesetzt wird.

Die Erntemengen der Knollen bewegen sich zwischen 10.000 bis über 18.000 kg Ertrag pro Hektar. Die Erntemengen des Grünwuchses (z.B. für Futterzwecke) gibt Schuster (1992) mit 34 dt Trockenmasse pro Hektar an. Bei der Ernte weisen die Knollen einen durchschnittlichen Wassergehalt von 30 % auf. Weiters enthalten Erdmandeln durchschnittlich 47 % Kohlehydrate (ca. 15 % Zucker, 30 % Stärke), 10 % Rohfaser, 10 % Rohprotein und rund 25 % Rohfett.

Nach der Ernte werden die Knollen gewaschen und von restlichen Erdanteilen und Wurzelstücken befreit, um danach getrocknet zu werden. Der Trocknungsprozess findet in so genannten Trockenkammern statt und dauert an die 3 Monate, wobei die Erdmandel zum Schluss nur mehr 11 % Feuchtigkeit enthält. So ist die Erdmandel lagerfähig und kann entweder zur Herstellung von hochwertigem Erdmandelöl verwendet werden oder als Basis für die Herstellung der zahlreichen Getränke aus Erdmandel dienen.


3. Das Öl

Das Fett der Erdmandel ist aufgrund seines Fettsäuremusters mit vielen ungesättigten Fettsäuren (über 80%) für viele Anwendungsbereiche wie für die Nutzung als Speiseöl als auch für die Industrie sehr interessant.

Erdmandelöl enthält:

65-73% Ölsäure (C18:1)

10-16% Linolsäure (C 18:2)

10-14% Palmitin- und Stearinsäure (C16:0)

Anhand seines Fettsäuremusters ist es daher mit dem Ölivenöl vergleichbar und könnte auch teilweise ein Substitut für Olivenöl werden. Darüber hinaus ist das Erdmandelöl ein großzügiger Vitamin-E-Lieferant. Weiters gibt es Studien, die dem Erdmandelöl auch eine Möglichkeit zur Verwendung als Biodiesel zusprechen. Das Öl selbst hat eine goldgelbe Farbe und einen im Vergleich zu Olivenöl eher neutralen Geschmack. Erdmandelöl hat ein spezifisches Gewicht von 0.9240 bei 15° C. Der Erstarrungspunkt liegt aufgrund des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren unter 3°C. Die Rückstände der Ölgewinnung sind noch sehr nährstoffreich und können in der Tierfütterung eingesetzt werden.


4. Cyperus esculentus als Unkraut

In jüngster Zeit macht die Erdmandel vermehrt als Unkraut bei uns von sich Reden. In den Niederlanden wurde 1972 erstmals das Auftreten von C. esculentus in Form von Verunkrautung beschrieben und auch in vielen anderen europäischen Länden wie Deutschland, der Schweiz, Ungarn aber auch in Österreich stellt sie gerade in Hackfruchtkulturen ein gewisses Gefahrenpotential dar.

Von einigen Autoren wird sie zu den "world´s worst weeds" – zu den schlimmsten Unkräutern der Welt gezählt. Die heute problematischen Vorkommen wurden wahrscheinlich unbeabsichtigt gemeinsam mit Gladiolenzwiebeln verschleppt. In den Niederlanden haben sich daraus problematische Massenvorkommen entwickelt, die man seit 1984 mit gezielten Bekämpfungsprogrammen einzudämmen versucht.


5. Horchata de Chufa

In der spanischen Provinz "L´Horta Nord" wird die "Chufa" in 16 Ortschaften kultiviert. Dort gilt das aus der Erdmandel hergestellte milchige Getränk genannt "Horchata de Chufa" (Erdmandelmilch) als Nationalgetränk. Bereits aus dem 13. Jahrhundert gibt es schriftliche Überlieferungen, wonach in der Region um Valencia ein Getränk aus Erdmandel hergestellt und getrunken wurde. Bei der Horchata de Chufa handelt es sich um ein aus Erdmandel, Zucker und Wasser hergestelltes und eiskalt serviertes Getränk. Es wird meist frisch zubereitet, ist aber in Supermärkten auch in haltbarer, pasteurisierter Form in Flaschen abgefüllt erhältlich. Chorchata wird vor allem in Frankreich, Großbritannien und Argentinien immer beliebter.

Weiterführende Literatur:

CHRISTIANSEN, M. S. (1993): Gräser-Süßgräser, Sauergräser und Binsen. 4. Auflage, München, Wien, Zürich: BLV.
COŞKUNER, Y.; ERCAN, R.; KARABABA, E. und NAZLICAN, A. N. (2002): Physical and chemical properties af chufa (Cyperus esculentus L) tubers grown in de Cukurova region of Turkey. Journal of the Science of Food and Agriculture 82, 625-631.
HACHBARTH, J. (1944): Die Ölpflanzen Mitteleuropas. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
N.N. (s.a.): Tiger nut of Valencia-Plantation. s.l.: aus http://www.chufadevalencia.org/INGLES/CHUFAVAL/cultivo.htm (01.02.2007)
N.N. (s.a.): Horchata de Chufa. s.l.: aus http://de.wikipedia.org/wiki/Horchata_de_Chufa (01.02.2007)
N.N. (s.a.): Ermandel. s.l.: aus http://de.wikipedia.org/wiki/Erdmandel (01.02.2007)
N.N. (s.a.): Ermandel. Schweizer Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen, Infoblatt SKEW-2006, Internet (01.02.2007)
PASCUALl, B.; MAROTO, V. J.; LOPEZ-GALARZA, S.; SANBAUTISTA, A. und ALGARDA, J. (2000): Chufa (Cyperus esculentus L. var. sativus Boeck.): an unconventional crop. Studies related to applications and cultivation. Economic Botany 54, 439-448.
SCHUSTER, W. (1992): Ölpflanzen in Europa. Frankfurt am Main: DLG-Verlags-GmbH.